Mit Instagram können Menschen jahrelang irgendwie im Leben bleiben, obwohl man nie direkt miteinander spricht. Ohne diesen passiven Kanal verschwinden manche alten Kontakte schneller aus dem Blick. Dafür wird deutlicher, mit wem tatsächlich noch eine aktive Verbindung existiert.
Wenn ich jemanden neu kennenlerne, brauche ich nicht unbedingt zuerst sein Instagram.
Eine Telefonnummer reicht erstaunlich weit.
Vielleicht sieht man dann weniger vom Urlaub des anderen, aber für „Lust nächste Woche etwas zu machen?“ funktioniert WhatsApp ziemlich zuverlässig.
Nach einem gemeinsamen Abend heißt es für Menschen ohne Instagram gelegentlich wieder ganz klassisch: „Kannst du mir das Foto schicken?“ Kein Tag, keine Story, kein Profil. Einfach eine Datei von einem Menschen an einen anderen.
Manche Geburtstage und Veranstaltungen merkt man online nicht deshalb, weil man sie im Kalender hatte, sondern weil plötzlich fünf Stories dazu auftauchen. Ohne diesen Strom muss Erinnerung wieder etwas öfter aus Kalender, Nachricht oder eigenem Kopf kommen.
Ohne Instagram gibt es vor einem ersten Treffen weniger Material, aus dem jemand sich schon vorher ein Bild von mir bauen kann. Ich finde das manchmal angenehm und manchmal unpraktisch. Ein öffentliches Profil ist eben gleichzeitig Selbstdarstellung und sehr schnelle Kontextseite.
Eine Zeit lang hatte ich kein Instagram.
Das meiste war völlig egal. Freunde haben mir Sachen irgendwann einfach über WhatsApp geschickt.
Genervt hat mich eher, dass manche Cafés, Veranstaltungen oder kleine Läden aktuelle Infos praktisch nur noch dort posten.
Kein Instagram zu haben war deshalb weniger „digital detox“, als ich erwartet hatte.
Manchmal war es einfach nur unpraktisch.
Freundesgruppe:
„Hahaha genau du.“
Instagram-Link.
„Der ist auch gut.“
Instagram-Link.
„Schau den unbedingt.“
Instagram-Link.
Ohne Instagram merkt man manchmal, wie viel moderne Freundschaft aus zugeschickten Kurzvideos besteht.
An keinem Instagram-Account gefällt mir die Vorstellung, dass nicht jeder Urlaub, jedes Essen und jeder gute Abend später irgendwo als Profilgeschichte existieren muss.
Ich mache trotzdem Fotos.
Sie müssen nur nicht automatisch Teil einer öffentlichen Version meines Lebens werden.
Ohne Instagram erfährt man manche Dinge nicht nebenbei.
Neue Wohnung, Urlaub, neuer Haarschnitt, irgendein Konzert – andere haben das alles schon in einer Story gesehen.
Beim nächsten Treffen fragt man dafür tatsächlich: „Was gibt's Neues?“
Erstaunlich analog.
Wenn jemand beim Kennenlernen nach meinem Instagram fragt und ich sage „hab ich nicht“, entsteht manchmal eine überraschend lange Folgefrage für etwas, das eigentlich nur Kontakt austauschen sollte. Dann landen wir am Ende doch wieder bei der guten alten Telefonnummer.
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